Checkliste: Balkonkraftwerk für Mietwohnungen
In zehn Schritten zum eigenen Balkonkraftwerk als Mieter: Standort prüfen, Vermieter fragen, kaufen, anmelden, einstecken.
Diese Checkliste führt dich als Mieter in zehn Schritten zum eigenen Balkonkraftwerk. Sie dauert insgesamt etwa eine Stunde, verteilt auf einige Tage. Die Reihenfolge ist wichtig: erst prüfen und fragen, dann kaufen.
Anleitung
Arbeite die Schritte der Reihe nach ab. Schritt 1 bis 4 kosten nichts und entscheiden, ob sich das Projekt für dich lohnt.
Die Schritte
- Sonnenseite prüfen: Welche Himmelsrichtung hat dein Balkon? Süd, Südost oder Südwest ist ideal. Norden lohnt selten. Achte auf Bäume, Häuser und Vorsprünge, die Schatten werfen.
- Befestigung klären: Kannst du die Module sicher am Geländer oder an der Wand montieren, ohne in die Bausubstanz einzugreifen? Das Geländer muss das Gewicht tragen, etwa 15 bis 25 Kilo pro Modul.
- Stromverbrauch bedenken: Bist du tagsüber zu Hause, wenn die Sonne scheint? Je mehr Strom du selbst verbrauchst, desto mehr sparst du.
- Vermieter fragen: Schreib eine kurze Anfrage: zwei Module, fest montiert, rückstandsfrei entfernbar. Seit Oktober 2024 dürfen Vermieter nur noch aus wichtigem Grund ablehnen. Fragen solltest du trotzdem zuerst.
- Set auswählen: Nimm zwei Module mit 800-Watt-Wechselrichter, ohne Speicher, als Komplettset. Das ist die bewährte Startvariante. Achte auf Prüfzeichen und Herstellergarantie.
- Zähler notieren: Die Zählernummer brauchst du für die Anmeldung. Sie steht auf der Stromrechnung oder direkt am Zähler.
- Anschließen: Montiere das Gerät und stecke es in die Steckdose. Alte Ferraris-Zähler dürfen vorübergehend weiterlaufen. Der Netzbetreiber tauscht sie kostenlos auf einen modernen Zähler. In Frankfurt ist das in den meisten Stadtteilen die NRM Netzdienste Rhein-Main, in Höchst, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim die syna GmbH. Der Grundversorger Mainova liefert den Strom, mit dem Zählerwechsel hat er nichts zu tun.
- Im Marktstammdatenregister anmelden: Das geht kostenlos und online, in etwa fünf Minuten. Du hast einen Monat nach Inbetriebnahme Zeit. Der Netzbetreiber wird automatisch informiert.
- Bestätigung aufbewahren: Speichere die Registrierungsbestätigung mit der Anlagennummer. Sie ist der Nachweis der ordnungsgemäßen Anmeldung.
- Erträge beobachten: Nach ein paar Wochen zeigt die Jahresrechnung oder eine kleine Messsteckdose, was das Gerät bringt.
Nicht vergessen
- Die Anmeldung ist Pflicht. Ohne Registrierung drohen Bußgelder.
- Keine Einspeisevergütung: Das Gerät rechnet sich über den selbst verbrauchten Strom, nicht über Einspeisung.
- Beim Auszug: Steck das Gerät ab und nimm es mit. Kein Rückbau-Streit, das ist der Vorteil der Steckervariante.
- Bei der Befestigung gilt: Sicherheit geht vor. Lose Module sind eine Gefahr für dich und andere.
Was du dafür brauchst
- Einen Balkon mit Süd-, Südost- oder Südwestausrichtung und wenig Schatten.
- Ein Komplettset aus zwei Modulen und 800-Watt-Wechselrichter. Es kostet aktuell rund 250 bis 500 Euro. Im Test der Stiftung Warentest vom Mai 2025 lagen die acht getesteten Sets zwischen 330 und 580 Euro.
- Die Zählernummer von der letzten Stromrechnung.
- Die schriftliche Antwort des Vermieters.
- Etwa eine Stunde Zeit, verteilt auf ein paar Tage.
Wie lange es dauert
Die aktive Arbeit ist klein. Die Anfrage an den Vermieter schreibst du in zehn Minuten. Die Antwort dauert meist ein paar Tage. Kauf und Montage nehmen einen Nachmittag in Anspruch. Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist nach fünf Minuten erledigt. Insgesamt investierst du etwa eine Stunde, verteilt auf ein bis zwei Wochen.
Was das Gerät bringt
Ein gut ausgerichtetes 800-Watt-Set erzeugt nach Verbraucherzentrale und ADAC 600 bis 900 Kilowattstunden pro Jahr. Bei 37 Cent pro Kilowattstunde, dem Bundesdurchschnitt der BDEW-Strompreisanalyse vom April 2026, sparst du 150 bis 300 Euro pro Jahr. Die Amortisation liegt bei drei bis fünf Jahren. Frankfurt kommt mit rund 1.677 Sonnenstunden pro Jahr auf etwas mehr als den deutschen Durchschnitt. Ein Südbalkon in Sachsenhausen ist ein gutes Beispiel.
Typische Fehler
- An der Halterung sparen: Im Test der Stiftung Warentest fielen fünf von acht Sets durch, weil sich ihre Halterungen bei starkem Wind verbiegen können. An einem Balkon im achten Stock ist das keine Kleinigkeit.
- Verschattung unterschätzen: Eine dauerhafte Teilverschattung kann die Leistung um mehr als die Hälfte senken. Ein unverschattetes 200-Watt-Modul bringt mehr als ein 450-Watt-Modul mit beschatteter Ecke.
- Tagsüber nie zu Hause sein: Das Gerät rechnet sich über den eigenen Verbrauch. Wer den Strom nicht abnimmt, wenn die Sonne scheint, spart weniger.
- Die Anmeldung vergessen: Ohne Registrierung drohen Bußgelder. Du hast einen Monat Zeit, und die Meldung kostet nichts.
- Ein einzelnes Modul unterschätzen: Ein 400-Watt-Modul senkrecht nach Süden liefert rund 280 Kilowattstunden im Jahr. Mit zwei Modulen und 800 Watt Wechselrichter bist du auf der sicheren Seite.
Ausführlich im Magazin
Die ehrliche Rechnung für Mieter findest du im Artikel „Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für Mieter?“.
Zum Nachschlagen
Quellen
- Bundesnetzagentur, Marktstammdatenregister · Bundesnetzagentur · 10. Januar 2026