Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum: der Unterschied

Das MHD sagt, wie lange ein Produkt seine Qualität behält. Das Verbrauchsdatum sagt, wie lange es sicher ist. Der Unterschied kann Leben retten und Müll vermeiden.

BegriffskarteKategorie: AlltagZuletzt geprüft: Drucken

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sagt: Bis zu diesem Datum behält das Produkt bei richtiger Lagerung seine Qualität, also Geschmack, Konsistenz und Farbe. Es ist kein Verfallsdatum. Nach dem MHD darfst du die meisten Lebensmittel noch verzehren, wenn sie ungeöffnet und korrekt gelagert waren und beim Öffnen normal riechen, aussehen und schmecken. Das Verbrauchsdatum sagt etwas anderes: Nach diesem Datum darf das Produkt nicht mehr verzehrt werden. Der Grund ist die Gesundheit.

Warum ist das wichtig?

Die Verwechslung beider Angaben schadet in zwei Richtungen. Wer das MHD als Verfallsdatum liest, wirft tonnenweise genießbare Lebensmittel weg. Ein erheblicher Teil der Lebensmittelverschwendung in deutschen Haushalten entsteht genau so. Wer umgekehrt das Verbrauchsdatum ignoriert, riskiert Lebensmittelvergiftungen. Bei frischem Hackfleisch oder rohem Geflügel vermehren sich Keime, die man weder sieht noch riecht.

Einfaches Beispiel

Ein Joghurt mit MHD vom 15. Juli liegt am 20. Juli noch im Kühlschrank. Riechen, ansehen, probieren. Wenn alles normal ist, ist er genießbar. Anders eine Packung frisches Hackfleisch mit Verbrauchsdatum vom 15. Juli. Am 16. Juli gehört sie in den Müll, egal wie sie aussieht. Die Angaben stehen bewusst an verschiedenen Stellen: „mindestens haltbar bis“ gegen „zu verbrauchen bis“. Genau darauf solltest du achten.

Darauf solltest du achten

  • Verbrauchsdatum tragen vor allem: frisches Hackfleisch, rohes Geflügel, mancher Fisch und abgepackte frische Salate. Hier gilt: strikt einhalten.
  • Nach dem MHD sind meist noch gut: Joghurt, Käse, trockene Nudeln, Reis, Konserven, Marmelade, Schokolade, Chips.
  • Eier: Das aufgedruckte Datum ist ein MHD, es liegt 28 Tage nach dem Legen. Danach sind Eier oft noch Wochen genießbar, wenn du sie durchgartst.
  • Geöffnete Produkte: Nach dem Öffnen gelten die Angaben nicht mehr. Dann zählen Kühlung und eigene Sinne.
  • Bei Unsicherheit gilt: Bei geschwächtem Immunsystem, Schwangerschaft oder Kindern im Haushalt im Zweifel nicht mehr verzehren.

Was das MHD wirklich bedeutet

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Qualitätsversprechen, keine Sicherheitsgrenze. Der offizielle Wortlaut auf der Verpackung lautet „mindestens haltbar bis“. Die Rechtsgrundlage ist die europäische Lebensmittel-Informationsverordnung. Das Bundesministerium formuliert den Leitsatz seit Jahren: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum. Die Zahlen stützen das. Nach einer GfK-Studie gehen nur rund 5 Prozent der vermeidbaren Lebensmittelabfälle privater Haushalte auf das abgelaufene MHD zurück. Nur 20 Prozent der Haushalte werfen Lebensmittel wegen eines abgelaufenen Datums weg. Und von den entsorgten Produkten landet knapp die Hälfte ungeöffnet in der Originalverpackung im Müll. Sie wurde nie geprüft, weder mit der Nase noch mit den Augen.

Wie lange Lebensmittel wirklich halten

Viele Produkte überleben ihr MHD deutlich. Joghurt und Quark sind originalverschlossen oft noch 4 bis 12 Wochen genießbar. Trockene Nudeln und ungeöffnete Konserven halten Jahre. Dunkle Schokolade bleibt bis zu 24 Monate gut, Fettreif ist unbedenklich. Aufgeblähte Dosen gehören dagegen immer in den Müll, da ist kein Spielraum. Deine Sinne sind das bessere Prüfgerät: Riechen, ansehen, probieren. Das gilt nach dem MHD. Beim Verbrauchsdatum gilt das Gegenteil. Gefährliche Keime sind weder sichtbar noch riechbar. Deshalb steht auf dem Etikett von Hackfleisch oft eine Lagertemperatur, etwa maximal zwei Grad. Sie gilt auch für den Transport nach Hause, am besten in einer Kühltasche.

Welche Produkte kein Datum tragen

Nicht jede Packung trägt ein MHD. Für frisches Obst und Gemüse, Wein, Essig, Salz, festen Zucker und Kaugummi ist keines vorgeschrieben. Hier entscheidest du selbst über die Genießbarkeit. Der Handel darf Produkte mit abgelaufenem MHD übrigens weiterverkaufen, wenn er darauf hinweist. Rabattaufkleber wie „minus 20 Prozent“ sind deshalb üblich. Das klingt riskant, ist es aber nicht: Auch diese Produkte sind nach dem MHD meist noch lange gut, nur die Qualitätsgarantie des Herstellers ist abgelaufen. Wer gezielt nach solchen Aufklebern sucht, spart Geld und rettet Lebensmittel.

Was das für dich bedeutet

Lies die Datumsangaben mit neuem Blick. MHD ist ein Qualitätsversprechen, Verbrauchsdatum ist eine Sicherheitsgrenze. Diese Unterscheidung ist die halbe Miete gegen Lebensmittelverschwendung. In Deutschland fallen pro Jahr rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, 58 Prozent davon in privaten Haushalten. Das sind etwa 74,5 Kilogramm pro Person. Wer konsequent prüft statt wegzuwerfen, senkt diesen Anteil spürbar. Das Bundeszentrum für Ernährung nennt ein Sparpotenzial von bis zu 940 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie. Beginne mit zwei Änderungen: Räume deinen Kühlschrank nach Zonen um, und prüfe Joghurt, Käse und Konserven mit der Nase, bevor sie in den Müll wandern.

Ausführlich im Magazin

Wie du Lebensmittel insgesamt länger frisch hältst, erkläre ich im Artikel „Lebensmittel länger frisch halten: Was wirklich funktioniert“.

Zum Nachschlagen

Verwandte Einträge