Versicherungsbedarf in zehn Fragen prüfen
Zehn Fragen, mit denen du in einer halben Stunde prüfst, welche Versicherungen dein Haushalt wirklich braucht und welche gestrichen werden können.
Diese Checkliste hilft dir, deinen Versicherungsbestand einmal nüchtern durchzugehen. Ziel ist nicht möglichst viel Schutz, sondern jeder Euro soll eine klare Aufgabe haben. Du brauchst: deine aktuellen Policen, etwa 30 Minuten Zeit und einen Stift. Meistens findest du dabei ein bis drei Verträge, die du nicht brauchst. So sparst du mehrere hundert Euro im Jahr, ohne dein Risiko zu erhöhen. Ein Vertrag, den du seit Jahren nicht angesehen hast, ist oft nur eine Ausgabe und kein Schutz.
Anleitung
Gehe jede deiner Versicherungen einzeln durch und beantworte die zehn Fragen. Notiere die Antworten. Am Ende steht fest, welche Verträge du behältst, prüfst oder kündigst.
Die zehn Fragen
- Kann der Schaden meine Existenz gefährden? Ja? Dann ist die Versicherung wahrscheinlich wichtig. Das gilt etwa für die Privathaftpflicht.
- Kann ich den Schaden selbst tragen? Bei Kleinschäden unter ein paar hundert Euro ist Selbsttragen oft günstiger als der Beitrag.
- Wie wahrscheinlich ist der Schaden wirklich? Seltene Ereignisse versichern heißt: Geld verbrennen.
- Deckt der Vertrag das, was ich versichern will? Prüfe die wichtigsten Klauseln, nicht die Werbebroschüre.
- Habe ich diesen Schutz nicht schon woanders? Doppelversicherungen sind teuer. Ein Beispiel ist der Restschutz bei Krediten.
- Sind meine Lebensumstände aktuell? Neue Wohnung, Auto, Kind oder Selbstständigkeit ändern den Bedarf.
- Zahle ich für Leistungen, die ich nie nutze? Prüfe Zusatzbausteine wie Auslandsschutz oder Schlüsselverlust einzeln.
- Ist der Preis marktüblich? Bei Haftpflicht und Hausrat lohnt ein Vergleich fast immer. Die Beiträge schwanken stark.
- Habe ich den Vertrag bewusst abgeschlossen? Wenn du dich nicht an den Abschlussgrund erinnern kannst, ist das ein Warnsignal.
- Was passiert bei Kündigung? Falls du kündigst: erst den neuen Vertrag bestätigen lassen, dann den alten beenden.
- Wann läuft der Vertrag? Notiere Kündigungsfristen. Sonst verlängert sich der Vertrag automatisch.
Nicht vergessen
- Die Privathaftpflicht ist die Basis. Sie gehört in jeden Haushalt.
- Kündige nie, bevor der neue Vertrag schriftlich bestätigt ist.
- Nach der Prüfung: einmal pro Jahr wiederholen, am besten zum Jahreswechsel.
Was du dafür brauchst
- Deine aktuelle Vertragsmappe, also alle Policen und Beitragsrechnungen.
- Einen Stift und Papier für die Notizen.
- Etwa 30 Minuten Zeit.
- Zugang zu einem Vergleichsportal oder den Seiten der Anbieter.
Warum sich der Check lohnt
Ein privater Haushalt gab 2022 im Schnitt rund 1.600 Euro pro Jahr für Versicherungen aus. Krankenkasse und Lebensversicherung sind darin noch nicht enthalten. Bei solchen Beträgen lohnt der jährliche Blick. Die meisten Haushalte finden ein bis drei Verträge, die sie nicht brauchen. Die gesparten Beiträge dienen als Rücklage für Schäden, die du bewusst selbst trägst.
So liest du eine Police
Fünf Passagen entscheiden: Leistungsausschlüsse, Wartezeiten, Selbstbeteiligung, Beitragsdynamik und Kündigungsfrist. Was nicht versichert ist, steht in den Bedingungen, nicht in der Werbung. Manche Versicherungen zahlen in den ersten Monaten nicht. Bei der Rechtsschutzversicherung gelten Wartezeiten von bis zu drei Monaten. Eine Selbstbeteiligung senkt den Beitrag spürbar. Und viele Verträge erhöhen den Beitrag automatisch mit dem Alter. Prüfe, ob die Erhöhung an Leistungen gekoppelt ist.
Typische Fehler
- Doppelt versichern: Der Restschutz bei Krediten ist ein klassisches Beispiel. Prüfe, was deine bestehenden Verträge schon abdecken.
- Verträge nie ansehen: Ein Vertrag, den du seit Jahren nicht angesehen hast, ist oft nur eine Ausgabe und kein Schutz.
- Kündigen, bevor der neue Vertrag bestätigt ist: Erst den neuen Vertrag schriftlich bestätigen lassen, dann den alten beenden.
- Auf den Verkäufer hören statt auf die Bedingungen: Am Kredit- oder Verkaufstresen werden Restschuld- und Sterbegeldversicherungen oft mitverkauft.
- Die Kündigungsfrist verpassen: Die meisten Verträge kündigst du mit drei Monaten Frist zum Ablauf. Steigt der Beitrag, hast du ein Sonderkündigungsrecht mit einem Monat Frist.
Wann sich ein Vergleich besonders lohnt
Bei Haftpflicht und Hausrat sind die Preisspannen groß. Die besten Haftpflicht-Tarife kosten im Test der Stiftung Warentest ab 48 Euro im Jahr, der Durchschnitt liegt bei 99 Euro. Bei der Hausrat gibt es guten Schutz schon ab 61 Euro, während vergleichbare Policen bis zu siebenmal so viel kosten können. Gerade bei diesen beiden Verträgen lohnt der Vergleich fast immer.
Die Basis im Blick behalten
Die Privathaftpflicht ist die wichtigste Police überhaupt. Der mittlere Schadenaufwand bei schweren Personenschäden liegt laut GDV bei 2,6 Millionen Euro. Solche Beträge trägt niemand aus der eigenen Tasche. Die Police kostet aber nur einen Bruchteil davon.
Ausführlich im Magazin
Die ausführliche Einordnung mit den drei Kernfragen findest du im Artikel „Welche Versicherungen braucht ein normaler Haushalt wirklich?“.
Zum Nachschlagen
Quellen
- Verbraucherzentrale: Versicherungen · Verbraucherzentrale Bundesverband · 15. Januar 2026